Samstag, 26. November 2011

-->> #Zwickauer #Terroristenzelle: Die Spur führt zum "Blood and Honour"-Netzwerk [via MONITOR]


Zwickauer Terroristenzelle:

Die Spur führt zum "Blood and Honour"-Netzwerk

[MONITOR]
 
Sendung vom 24.11.2011
 
http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2011/1124/zwickau.php5
 
Bericht: Maik Baumgärtner, Andreas Maus, Isabel Schayani, Frauke Steffens
 

Sonia Seymour Mikich: "Und auch das nächste Thema hat sehr viel Gesprächswert. Blut und Ehre sind die Stichworte. Heute gab es eine weitere Festnahme im Umfeld des Zwickauer Terror-Trios. Der mutmaßliche Hersteller des Bekennervideos wurde aufgespürt. Wie groß ist das Netzwerk mörderischer Taten und Gedanken denn noch? Mike Baumgärtner, Andreas Maus, Isabel Schayani und Frauke Steffens haben Verbindungen zu einer braunen Elite ausgemacht. Einem internationalen Netzwerk von Rechtsextremen. Blood and Honour - Blut und Ehre, und das Zwickauer Neonazi-Trio."

Es ist die Geschichte einer Parallelgesellschaft, die wenige kennen. Die Welt von Blood and Honour - Blut und Ehre. ein internationales rechtsextremes Netz. Eine Welt, in der sich das Zwickauer Trio wohlfühlte. In der Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt groß wurden. Mitte der 90er organisierten sie sogar selbst Blood-and-Honour-Konzerte. Ist das Netz ein Schlüssel zur Mordserie?

Eigentlich hübsch hier. Meppen in Niedersachsen. Hier wohnt einer der deutschen Stars der rechtsextremen Musikszene. Daniel Giese, genannt Gigi. Er singt schon seit einem Jahr den sogenannten "Dönerkillersong":

Songtext: "Neun mal hat er bisher brutal gekillt, doch die Lust am Töten ist noch nicht gestillt."

Wusste Gigi lange vor der Polizei, dass Rechtsextreme neun Morde begangen haben? Das wollen wir ihn fragen. Was wir wissen ist, dass er regelmäßig auf Blood-and-Honour-Konzerten auftrat. Gigi ist zu Hause, er öffnet nicht. Blood-and-Honour-Anhänger sehen sich als weiße Elite. Einwanderer sind Dreck, Mud. Ihren Hass und ihre Ideologie verkaufen sie über Videos, wie dieses, über Musik und Konzerte. Auch Gewalt gehört dazu. In Deutschland ist sie seit 10 Jahren verboten, ihre Anhänger aber sind nicht verschwunden. Blood and Honour kommt aus England. Nick Lowles hat das internationale Netzwerk seit Jahren beobachtet. Er erkennt bei den Morden der Zwickauer Zelle viele Parallelen mit der Untergrundstrategie von Blood and Honour.

 

Nick Lowles, Rechtsextremismusexperte "Searchlight"

Nick Lowles, Rechtsextremismusexperte "Searchlight", London (Übersetzung MONITOR): "Die Gesinnung hinter dem, was in Deutschland passierte und England ist sehr ähnlich. Es geht um Rassenkrieg. Es geht um eine Strategie der Spannung. Dabei zielen sie auf Einwanderer und versuchen eine Reaktion von ihnen zu erzwingen. Sie machen das in kleinen Zellen, gehören zur Bewegung, handeln aber unabhängig. Sie haben die gleiche Gesinnung, die gleichen Ideen, ohne einen Führer, der sie lenkt."

Wer unterstützt heute Blood-and-Honour-Aktivitäten in Deutschland? Denn klar ist, besonders in Thüringen und Niedersachsen sind die Anhänger aktiv. Über Konzerte. Obwohl als Organisation verboten, treten hier beim Fest der Völker in Thüringen seit Jahren Blood-and-Honour-Bands und Redner auf. Sie kommen vom ganzen Kontinent. Führen hier die Spuren zum Umfeld der Zwickauer Zelle? Das sogenannte "Fest" wird von zwei interessanten Männern mitorganisiert. Der eine Ralf W., steht als Verantwortlicher auf der Bühne. Der andere Andre K., mit dem Rücken zur Kamera, ist eine bekannte Neonazigröße aus Thüringen. Gegen beide ermittelt die Polizei, weil sie das Zwickauer Mordtrio unterstützt haben sollen. Ralf W. bestreitet das. In den 90ern haben auch Mundlos und Böhnhard selbst Blood-and-Honour-Konzerte organisiert. Geht es hier wirklich immer nur um Musik?

Nick Lowles, Rechtsextremismusexperte "Searchlight", London (Übersetzung MONITOR): "Vieles wurde unter dem Deckmantel eines Blood-and-Honour-Konzerts organisiert. Da reiste zum Beispiel eine militante britische Blood-and-Honour-Band nach Deutschland und machte sechs oder sieben Auftritte. Bei denen gab es besondere Treffen, sie besprachen terroristische Strategien, diskutierten Bombenbauen und koordinierten gemeinsame Aktionen in ganz Europa."

Wie konnten die drei über 13 Jahre untertauchen, auch im Ausland? Man weiß, dass die drei sich in Ungarn, Bulgarien und Belgien versteckt haben. Wenn man das Netzwerk Blood and Honour kennt, dann machen diese Länder plötzlich Sinn. Denn gerade Ungarn und Belgien sind bekannt für ihre starken Strukturen und die engen Kontakte nach Deutschland.

Volkmar Wölk, Rechtsextremismusexperte, Die Linke/Sachsen Rechte: WDR

Volkmar Wölk, Rechtsextremismusexperte, Die Linke/Sachsen

Volkmar Wölk, Rechtsextremismusexperte, Die Linke/Sachsen: "Wenn sich jemand ins Ausland absetzen will, ist Blood and Honour also wie geschaffen dafür. Zweitens, die Blood-and-Honour-Sektionen, zumindest in Osteuropa sind bekannt dafür, dass sie leichten Zugang zu Waffen haben, leichten Zugang zu Sprengstoff haben, also logistisch ausrüsten können. Drittens ist Blood and Honour international und auch national für die eigene Brutalität und auch für die Bereitschaft, Anschläge selbst zu begehen, bekannt."

Zu Blood and Honour gehören paramilitärische Flügel. Der Bekannteste ist Combat 18. Seine Leitwährung Gewalt. Und sein Ziel die Vorherrschaft der weißen Rasse.

Zitat: "Vor allem müssen wir die Einwanderer selbst angreifen."

Der Bombenanschlag in Köln. Als hätte die Zwickauer Zelle die Anschläge von Combat 18 kopiert. 1999 bombte Combat 18 in Londons Straßen. Die Waffe - Nagelbomben. Das Ziel - Einwanderer und Schwule. Die Waffe in der Kölner Keupstraße - eine Nagelbombe. Das Ziel - Einwanderer. Die Übereinstimmung zwischen den Netz und dem Zwickauer Trio sind erschreckend. Und so wie sie in allen Blood-and-Honour-Terroranleitungen stehen. Man soll Anschläge gegen Einwanderer verüben, keine Bekennerschreiben hinterlassen, in kleinen Zellen arbeiten, Nagelbomben einsetzen und Listen von möglichen Opfern erstellen.

Nick Lowles, Rechtsextremismusexperte "Searchlight", London (Übersetzung MONITOR): "All das soll Angst in die Gesellschaft zu tragen. Es geht um eine möglichst breite Wirkung, und zwar nicht nur auf die Menschen, die verletzt werden. Sondern es geht um eine ständige Spannung, die die Atmosphäre aufheizt. Es geht um Angst."

Die Rolle von Blood and Honour? Der thüringische Verfassungsschutz müsste sie eigentlich kennen. Schließlich führten sie einen V-Mann namens Marcel D. Der war der Thüringer Sektions-Chef von Blood and Honour.



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